Nacht der
Wissenschaft:
Der "Düsseldorfer
Patient" im Gespräch

Nacht der Wissenschaft: Der "Düsseldorfer Patient" im Gespräch

Bereits zum sechsten Mal stellte in Düsseldorf die "Nacht der Wissenschaft" Forschungs-Projekte von HHU, HSD und wissenschaftl. Einrichtungen der Region vor (Grafik: HHU).
GFFU Event bei der "Nacht der Wissenschaft"
GFFU-Event: Der "Düsseldorfer Patient" Marc Franke (rechts) berichtet gemeinsam mit PD Dr. Björn-Erik Ole Jensen vom UKD über den langen Weg von der Diagnose bis zur Heilung seiner HIV-Krankheit.
GFFU Präsident Buschmann und Prof. Dr. Tom Lüdde, UKD
Bei ihren Grußworten: GFFU-Präsident Thomas Buschmann (links) und Prof. Dr. Dr. Tom Lüdde, Klinikdirektor für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, UKD.
OB Keller und Rektorin Steinbeck
Interessierte Besucher: Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller (links) mit HHU-Rektorin Prof. Dr. Anja Steinbeck neben dem Leiter Stabsstelle Veranstaltungen, Marketing-Service und Fundraising, Joachim Tomesch.
Aussenbild Nacht der Wissenschaft
Auch die 6. Nacht der Wissenschaft war trotz ungünstigen Wetters wieder gut besucht. (Fotos: Nicolas Stumpe)

GFFU Event bei der Düsseldorfer Nacht der Wissenschaft

Marc Franke gehört zu den weltweit bislang nur wenigen Menschen, die von HIV geheilt wurden – bekannt geworden ist er als „Düsseldorfer Patient". Bei der 6. Düsseldorfer Nacht der Wissenschaft berichtete er gemeinsam mit PD Dr. Björn-Erik Ole Jensen vom Universitätsklinikum Düsseldorf über den Weg von der Diagnose bis zu einem medizinischen Meilenstein. Eingeladen hatte die Gesellschaft von Freunden und Förderern der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf e.V. (GFFU): Sie unterstützte die Nacht der Wissenschaft zum vierten Mal als Hauptsponsorin und brachte in diesem Jahr erstmals einen eigenen Programmpunkt ein.

Rund 60 geladene Gäste kamen dazu in der „Denkbar" am Schadowplatz zusammen. GFFU-Präsident Thomas Buschmann begrüßte die Anwesenden und betonte die Bedeutung von Wissenschaft und Forschung für die Gesellschaft: „Wir brauchen mehr Optimismus und Zuversicht. Das Beispiel des Düsseldorfer Patienten und die Arbeit der Düsseldorfer Wissenschaft sind ein entscheidender Beitrag dazu." Zugleich zeigte er sich stolz auf das, was die GFFU gemeinsam mit ihren Mitgliedern, Förderern und Stiftungen für die Düsseldorfer Wissenschaft ermöglicht.

Prof. Dr. med. Dr. phil. Tom Lüdde, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie des Universitätsklinikums Düsseldorf, erinnerte in seinem Grußwort daran, dass wissenschaftliche Fortschritte Zeit brauchen und auf die Unterstützung und enge Zusammenarbeit vieler Beteiligter angewiesen sind. 

Im anschließenden Gespräch erläuterten Marc Franke und PD Dr. Jensen die persönliche wie die medizinische Seite des Falls. Was eine Heilung von HIV wissenschaftlich bedeutet, machte Jensen an einem Kriterium fest: der vollständigen Entleerung des sogenannten HIV-Reservoirs im Körper. Dahinter stehen jahrelange internationale Forschung und die Zusammenarbeit mehrerer medizinischer Fachrichtungen.

Ein medizinischer Durchbruch ist jedoch nicht allein das Ergebnis von Forschung und Klinik. Marc Franke würdigte im Gespräch die Stammzellspenderin, ohne deren Spende die Behandlung nicht möglich gewesen wäre. Die Suche nach ihr war aufwendig: Gebraucht wurde eine Person mit der sogenannten CCR5-Δ32-Mutation, die etwa ein Prozent der europäischen Bevölkerung von beiden Elternteilen geerbt hat. Diesen Menschen fehlt ein funktionsfähiger CCR5-Rezeptor – und damit genau die Andockstelle, über die die meisten HI-Viren in Immunzellen eindringen. Erst das Zusammentreffen von passender Spende und medizinischer Behandlung machte die Heilung möglich.

Franke sprach auch offen über die gesellschaftliche Seite einer HIV-Infektion. Das Stigma, das die Erkrankung bis heute begleitet, sei aus seiner Sicht oft die größere Belastung als die Infektion selbst. Angebote wie buddy.hiv oder der Positive Raum seien deshalb wichtig – für die Unterstützung von Personen, die mit dem HI Virus leben, ebenso wie für die Aufklärung.

PD Dr. Jensen ergänzte die medizinische Perspektive: Bei früher Diagnose sei HIV heute in den meisten Fällen eine gut behandelbare chronische Erkrankung. Eine Heilung durch Stammzelltransplantation komme als allgemeiner Weg dagegen nicht in Betracht, weil der Eingriff selbst ein erhebliches Risiko berge. Vertretbar sei es nur dort, wo wie bei Marc Franke ohnehin eine weitere, schwerste Erkrankung behandelt werden müsse. Auch medizinisch wirke das Stigma fort: Aus Angst vor Vorurteilen ließen sich Menschen nicht testen – und begännen eine notwendige Behandlung dadurch mitunter zu spät.

Der Abend hat gezeigt, wie viel der direkte Austausch zwischen Forschung und Öffentlichkeit leisten kann. Als Hauptsponsorin und Gastgeberin des Gesprächs über den Düsseldorfer Patienten hat die GFFU dazu beigetragen, wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich und zugänglich zu machen. Wie groß das Interesse daran ist, zeigt die Resonanz der Nacht der Wissenschaft insgesamt: Viele tausend Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, Düsseldorfer Forschung unmittelbar zu erleben.
 

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